Portugal | Friede, Freude, Festival und Ferienhaus

Als sich der Flieger im Anflug nach Lissabon durch die dichten Wolken kaempfte und eine wackelige Kurve ueber die Hauptstadt Portugals zog, meldete es sich nach langer Zeit wieder zu Wort: das Kribbeln. Nach ueber einem Jahr wuerden wir nun endlich unsere Freunde wieder treffen! Und das im wuerdigsten Rahmen, den man sich dafuer vorstellen kann: eine Woche Party und danach eine Woche Ferienhaus am Meer.

Doch zuerst war noch die Anreise aufs Boomfestival zu ueberstehen, die meist so ihre Tuecken hat. Da merkt man gleich, dass man mit seinem Wunsch nach einer Partywoche nicht alleine ist. Obwohl die Tickets fuers Festival erstmals schon lange im Vorhinein ausverkauft waren und somit wohl so viele Besucher kamen wie nie zuvor, gelangten wir mit nur unwesentlichen Verzoegerungen aufs Gelaende.

Die Zeit, bis die ersten Freunde eintrafen, verging schnell, hatten wir doch alle Muehe unseren gefundenen Lagerplatz gegen Neuankoemmlinge zu verteidigen. Zu zweit einen Platz fuer fast zwanzig Leute zu verteidigen, ist auch auf der Boom nicht ganz leicht. Noch kurzweiliger machte die ganze Sache, dass wir am selben Tag versehentlich unser Handy unbrauchbar gemacht hatten und faktisch nicht erreichbar waren. Dass es am Ende dann aber doch immer irgendwie funktioniert, ist feinerweise keine asiatische Eigenheit und so konnten wir unsere von der Anreise gezeichneten Freunde nach und nach in die Arme schliessen.

Ploetzlich wieder unter „Unseresgleichen“ zu sein, unter Vertrauten, die einen ganz genau kennen, war wirklich ein unbeschreibliches Gefuehl. Da reist man ueber ein Jahr lang durch die Welt, von einem Abenteuer zum naechsten, erlebt fasziniernde Momente, macht unschaetzbare Erfahrungen – und merkt dabei gar nicht oder nur schleichend, dass etwas fehlt. Das eigene Umfeld, die Menschen, die einem am naechsten sind und mit denen man seit Jahren eine Geschichte teilt, ist auf Dauer einfach nicht zu ersetzen. Auch nicht durch die Wunder dieser Welt. Aber man muss auch mal eine Zeit lang weg gewesen sein, um das – per se – wieder richtig zu schaetzen.

Und da waren wir nun, im Kreis unserer Freunde unter der Sonne Portugals, und sollten auf der Spielwiese Boom alle gemeinsam eine unglaubliche Woche erleben, die sich nur vorstellen kann, wer schon hier war. Camping, lange Gespraeche am Feuer, Relaxen am See, Schwimmen, Herumspazieren, Lachen bis der Bauch weh tut, Sterneschauen, Karussellschwingen, Kunst bestaunen, neue Menschen oder Menschen neu kennenlernen, Schlemmen, Tanzen bis ins Morgengrauen – all das und noch viel mehr ist Boom.

Zehntausende Menschen aus 152 Laendern der Welt sind angereist um, alle gemeinsam, die beste Woche dieses Jahres zu erleben. Die positive Energie, die von dieser bunten Feiergesellschaft ausging, war allgegenwaertig und wohl fuer jeden Einzelnen spuerbar.

Als wir der Boom nach dieser so intensiven Woche den Ruecken kehren mussten, spuerten wir in unseren mueden Knochen jeden Tag – die Bestaetigung fuer ein gelungenes Festival 🙂

Allesamt – abzueglich eines spontanen und bedauerlichen Abgangs, aber dafuer zuzueglich eines gluecklichen Stoppers – bahnten wir uns nach Ende des Festivals auf verschiedenen Routen den Weg in Richtung der Suedwestkueste Portugals. Dort stand es auf einer Anhoehe nahe der Kueste in voller Pracht: unser Ferienhaus, das so gross war, dass man sich in den langen Gaengen nach Tagen noch verlief.

Die verschiedenen Terrassen mit Blick aufs Meer waren allesamt mit superbequemen Sitz- und Liegemoebeln ausgestattet und boten genug Platz fuer unsere Meute, die zum Hoehepunkt auf siebzehn Personen angewachsen war. Es wurde eine gelungene Woche, die anfaenglich erholungsbedingt getrost verschlafen wurde. Mit aufgeladenen Batterien kam dann aber bald die Entdeckungs- und Feierlaune und so holten wir aus der traumhaften Kulisse und der (unter hoechst muehevollen Umstaenden) mitgebrachten Soundanlage noch das Maximale heraus.

Diese zwei Wochen in Portugal waren wirklich ein Hoehepunkt unserer Reise. Dass es der letzte sein soll, tut schon weh. Irgendwo tief drinnen. Als die Rollen der Ryan-Air-Maschine auf der verregneten Landebahn in Deutschland aufsetzten, wurden wir beide von einem durchdringenden, neuen Gefuehl heimgesucht: einem Moment tiefer Traurigkeit, der Gewissheit, dass nun alles vorbei sein soll. Das spannende Traveler-Dasein, das unbeschwerte In-den-Tag-hinein-Leben, das Jeden-Tag-aufs-Neue-ueberrascht-Werden … All das, was man so geschaetzt hat, aber dennoch nie in vollem Ausmasse zu realisieren faehig war, soll nun ein Ende nehmen und dem Bekannten, dem Alltag weichen.

Aber, auch wenn die ersten Traenen in der Heimat keine der Freude waren, werden diese am Ende in der Zahl ueberwiegen. Denn, so dankbar wir unserem Schicksal fuer das vergangene Jahr auch sind – es ist wohl das groesste Glueck, HEIMKEHREN zu koennen, in ein zufriedenes Leben voller Perspektiven und das inmitten unserer Liebsten. Das ist ein unschaetzbares Gut, das neu schaetzen zu lernen, eine weitere unverzichtbare Erfahrung ist. Die letzte unserer Reise – und vielleicht die wichtigste.

Und da wir uns alle bald wieder sehen und wohl ohnehin einen Fotoabend einlegen werden, sparen wir die Boom- und Hausbilder dafuer auf und legen zur Abwechslung einen bilderlosen Blog ein. [Na]

 

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